Abbildung der Armbanduhr Haldimann H9

Heute stelle ich euch ein Schweizer Produkt vor, von dem ich in der letzten Ausgabe der Zeitschrift Psychologie Heute gelesen habe: Eine Luxus-Armbanduhr aus dem Hause Halidmann, die anders ist als andere Statusobjekte am Handgelenk…

Zeitlose Uhr oder Nicht-Uhr?

Diese Frage kann man sich bei der Haldimann H9 Reduction durchaus stellen. Sie wurde schon im Jahr 2012 auf der Luxusuhren- und Schmuckmelse Baselworld vorgestellt. Dort stellte die Uhrenmanufaktur Haldimann, deren Uhrmacher-Familientradition bis ins Jahr 1642 zurückreiht, eine ganz besondere Luxusuhr vor.

Die H9 ist eine wirklich hochwertige Armbanduhr, wie man sie von einem Hersteller Schweizer Luxusuhren erwartet. Handaufzug, mit einem fliegenden Tourbillon im Zentrum, drei Federhäuser und ein Platingehäuse. Was in der Beschreibung noch fehlt ist das, was die Haldimann H9 so zeitlos macht. Und zwar im ganz wörtlichen Sinn: Das blickdichte Saphierglas, das die Zeiger vor dem Blick des Trägers verbirgt. Okay, die Zeiger existieren und zeigen die Zeit theoretisch auch präzise an, allerdings kann man die angezeigte Zeit nicht ablesen. Was würde da der Philosoph Alan Watt dazu sagen? Er war der Ansicht, dass ein fallender Baum kein Geräusch erzeugt, wenn niemand da ist, der es hören kann.

Abgesehen davon: Wie stellt man eine Uhr, wenn man nicht sehen kann, wie die Zeiger stehen? Es wird zum reinen Zufall, die Uhrzeit richtig zu treffen. Wobei macht das einen Unterschied? Das erscheint unwichtig und überhaupt dürfte die H9 für all jene passend sein, die es geschafft haben sich von der Abhängigkeit der Zeit lösen zu können. Das geht mit viel Geld wahrscheinlich leichter und das ist auch nötig um sich diesen Nicht-Zeitmesser ums Handgelenk binden zu können. 150.000 Schweizer Franken schlagen zu Buche und ermöglichen dem Träger der Uhr zu zeigen, dass er zu viel Geld besitzt ohne es auszusprechen.

Ist das eine Uhr oder ist es Kunst?

Im ersten Moment empfand ich die Uhr als absolut sinnlos und dekadent. Zumindest von ersterem Gedanken habe ich mich mittlerweile aber etwas gelöst. Betrachtet man die Uhr als Kunstwerk und nicht als Zeitmesser, so vermittelt sie die Botschaft, dass Zeit doch nicht so wichtig ist. Der Mensch soll die Zeit nutzen ohne sich von ihr abhängig zu machen. So mag das hochwertige Uhrwerk zwar nutzlos sein, aber ein Goldarmband erfüllt ja auch keinen praktischen Zweck und dient einfach dem optischen Reiz. Ganz ohne tiefere Botschaft.

Wiederentdeckte Familientradition

Anders als man annehmen könnte, scheint Uhrmacher Beat Haldimann aus ganz bürgerlichen Verhältnissen ohne Luxus zu stammen, den er nun herstellt. Die Uhrentradition der Haldimanns reicht wie erwähnt bis ins 17. Jahrhundert zurück. In den letzten Generationen ging diese Tradition jedoch gänzlich verloren. Haldimanns Vater arbeitete bei der Post. Von seinen Uhrmachervorfahren erfuhr Beat Haldimann erst Jahre, nachdem er selbst bereits seinen eigenen Uhrmacherbetrieb führte.

Dieses Wissen finde ich sympathisch. Es lässt mich die Haldimann H9 in eine andere Schublade stecken, als ich bereits geöffnet hatte. Ja, sie bleibt ein Spielzeug für Reiche, aber ich verstehe, dass man sich als handwerklicher Uhrmacher auch über die Handwerkskunst hinaus in andere Bereiche der Kunst wagen möchte. Uns allen täte es manchmal gut, vom Mantra „Zeit ist Geld“ wegzukommen und mehr im Hier und Jetzt zu sein.

Für kleineres Geld gibt es einen Schweizer Uhrenklassiker fürs Handgelenk: Die von Hans Hilfiker entworfene Bahnhofsuhr.

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