Morgen startet die neue Schweizer Factual-Entertainment-Serie Notrufzentrale auf SRF (Schweizwochen.de berichtete). Wir konnten vorab in die Serie hineinschauen und uns einen Eindruck davon verschaffen, ob sich das Einschalten lohnt.
Fokus auf die Menschen
Die Macher der Serie wollen die Menschen in den Notrufzentralen in den Mittelpunkt rücken, das wurde bereits im Vorfeld der Sendung so angekündigt. Und das ist auch gelungen. Kein Erzähler, kein Sprecher zieht die Aufmerksamkeit ab. Keine Einsätze werden gezeigt. Stattdessen hört der Zuschauer die eingehenden Notrufe und beobachtet die Menschen, die diese am Telefon entgegennehmen und in Sekundenschnelle entscheiden müssen, was zu tun ist. Dass dies kein einfacher Job ist, wird schnell klar. Viele Anrufer sind aufgeregt, panisch oder ängstlich. Das erschwert manchmal überhaupt zu erfassen, was geschehen ist. Durch gezielte Nachfragen müssen die Menschen einschätzen, ob und welche Hilfe nötig ist. Bei einem Anruf bei der Rega wird auch eine besondere Herausforderung der mehrsprachigen Schweiz deutlich: Der deutschsprachige Mitarbeiter der Rega erhält einen Anruf einer französisch sprechenden Frau. Sofort switcht der Rega-Telefonist in perfektes Französisch. Das sind besondere Anforderungen, die in der Schweizer Rettungsdienstlandschaft von Bedeutung ist.
Über ihre herausfordernden Jobs sprechen die Mitarbeitenden der Einsatzkräfte nur selbst. Keine Stimme aus dem Off, keine Interviewer. Sie vermitteln eindrücklich, welche belastenden Aspekte der Job mit sich bringt und welche Haltung man sich aneignen muss, um Fälle ohne Happy End emotional nicht mit nach Hause zu nehmen. Auch nach Erhalt einer Todesnachricht muss die Arbeit weitergehen. Der nächste Anruf kommt rein und der Anrufer hofft auf schnelle Hilfe…
Ausgang meist ungewiss
Meistens bleibt es aber im Unklaren, wie die Notsituationen ausgegangen sind. Das ist nicht mehr die Aufgabe der Menschen in der Notrufzentrale. Ob die Situation gut ausgeht, ist nicht in deren Verantwortung sondern Aufgabe der Rettungs- und Einsatzkräfte vor Ort. Dabei entsteht durchaus die Neugierde beim Zuschauen, dass man gerne wüsste, wie die Situationen ausgegangen sind. Trotzdem ist das Bewusste Weglassen der Einsätze durchaus nachvollziehbar und richtig, denn es rückt die Arbeit jener Menschen tatsächlich in den Mittelpunkt, die sonst selten Aufmerksamkeit genießen.
Die Anrufenden, die die entsprechenden Notrufe absetzen, sind zum Schutz der Privatsphäre übrigens nachgesprochen. Das fällt allerdings nicht auf, denn die Anrufe sind in ihrer ganzen Panik und Aufgeregtheit so authentisch nachgesprochen, dass dies gar nicht auffällt.
Uns hat die „Notrufzentrale“ gefallen. Reinschauen lohnt sich!
Ausstrahlung: Wöchentlich ab 3. Oktober 2025 um 21:00 Uhr auf SRF 1. Online stehen alle Episoden bereits am Starttag auf der sendereigenen Streamingplattform Play SRF zum Abruf bereit.

