Lange ist es her, dass sich das Schweizer Fernsehen an eine Sitcom gewagt hat. Ende der 90er Jahre lief „Fascht e Familie“ erfolgreich über die Schweizer TV-Bildschirme und erfreute über fünf Staffeln bzw. 100 Folgen das eidgenössische Publikum. Kein Wunder, denn die Folgen aus der Feder von Charles Lewinsky waren witzig mit tollen Figuren. Anfang der 2000er folgte „Fertig Lustig“, für das ebenfalls Lewinsky mitverantwortlich ist und ebenfalls mit Humor und guten Schauspielern in passenden Rollen brillierte. Die dritte und letzte Sitcom von Charles Lewinsky war „Bürgerbüro“, das an alte Erfolge nicht anknüpfen konnte und nach 13 Folgen abgesetzt wurde.
DRS löste die Redaktion Sitcom aus Kostengründen auf, startete zwischen 2005 und 2007 aber dennoch nochmal den Versuch einer Sitcom und produzierte zwei Staffeln von „Schöni Uussichte“. Seitdem musste das Schweizer TV-Publikum auf eine neue heimische Sitcom verzichten.
Erste Schweizer Sitcom seit 20 Jahren
Die Meldung zu Beginn des Jahres, dass SRF nach rund zwei Jahrzehnten endlich eine neue Sitcom produzieren würde, sorgte vielerorts für rege Vorfreude. Auch das Setting klang vielversprechend. Schauplatz ist eine Schweizer Botschaft in einem nicht genannten südamerikanischen Land. In der Hauptrolle ist eine alte Bekannte in der Schweizer TV-Landschaft: Susanne Kunz.
Bekannte Namen im Cast
Neben Susanne Kunz als Botschafterin Bea gibt es noch weitere interessante Besetzungen im Cast von „Unsere kleine Botschaft“. Schauspielerin und Parodistin Birgit Steinegger dürfte eher das ältere Publikum ansprechen, während Komikerin und Content Creatorin Anaïs Decasper eher das jüngere Publikum ansprechen dürfte, so wie auch der wahrscheinlich überraschenste Schauspieler im Cast:
Bekannt aus „Ted Lasso“ und Spiderman: Cristo Fernández
Die Besetzung von Cristo Fernández als Fernando ist eine echte Überraschung und ein glücklicher Griff. Der Schauspieler aus Mexiko lebt in Großbritannien, spricht aber auch fließend deutsch. In „Unsere kleine Botschaft“ spielt er einen einheimischen Botschaftsmitarbeiter.
Aber auch Sandra Zellweger passt als schweizerisch-kolumbianische Doppelstaatlerin sehr gut in den Cast. Für die Drehbücher zeichnen sich Pascal Glatz und Christian Wehrlin (Co-Autoren von „Tschugger“) verantwortlich.
Kritik: Lohnt sich „Unsere kleine Botschaft“?
Wir durften die ersten drei Folgen von „Unsere kleine Botschaft“ bereits vorab sehen. Die Erwartungen an die erste Schweizer Sitcom seit Langem waren groß. Und tatsächlich hat SRF geschaffen, ein spannendes Setting zu erstellen. Der fiktive Botschaftsalltag in Südamerika hat mit Sicherheit Potential, wenn die Umsetzung gelingt. Dazu der im großen und ganzen durchaus gelungene Cast mit einer Susanne Kunz, die nicht nur als Moderatorin, sondern auch als Schauspielerin überzeugen kann. Als wenig glücklich wirkt die Besetzung von Birgit Steinegger als Schweizer Bürgerin, die das Botschaftspersonal mit täglichen Besuchen zur Verzweiflung bringt. Sehr gerne hätten wir hingegen Ted-Lasso-Star Christo Fernandez mehr Bildschirmzeit gegönnt, dem leider keine größere Rolle gegeben wurde. Dabei könnten aber auch finanzielle Gründe beim klammen Schweizer Fernsehen eine Rolle gespielt haben.
Die liechtensteinische Schauspielerin Christiani Wetter spielt die Botschafterin des Fürstentums, dessen Botschaft ein Raum innerhalb der Schweizer Botschaft ist. In dieser Minibotschaft ist wenig los, der Kaffee besser und alles tiefenentspannt. Die Botschafterin des Fürstentums fungiert als freundschaftlichere Beraterin von Botschafterin Bea, die erwartungsgemäß mit vielerlei Problemen konfrontiert wird. Die Integration von Liechtenstein in die Serie ist eine gelungene Idee, die in den weiteren Folgen hoffentlich an Tiefgang gewinnt.
Mehrsprachigkeit der Schweiz als Element
Spannend ist auch der neue Vizebotschafter, der direkt zu Beginn der Serie als Neuankömmling in die Handlung eingeführt wird. Frisch aus Bern angekommen, hat der Welscher keinen leichten Stand. Trotz fließender deutscher Sprachkenntnisse hat es dieser in der ansonsten vom Schweizerdeutschen dominierten Botschaft nicht leicht. Ein Element, das ebenfalls noch vertiefter aufgegriffen werden könnte.
Sitcom oder Mockumentary? Nichts Ganzes und nichts Halbes
Stilistisch geht SRF neue Wege. Vom Konzept der ganz klassischen Sitcom mit Aufnahme vor echtem Publikum oder eingespielter Lachkonserve hat man sich verabschiedet. Stattdessen bedient man sich dem Stilmittel von Einspielern der einzelnen Personen, in denen sie in ihrer Rolle das Geschehnis kommentieren. Das kennt man aus Mockumentary-Serien wie Stromberg. Dazu passen die Szenen der eigentlichen Handlung hingegen nicht, die den Dokumentionsstil nicht umsetzen.
Kernelement: Humor

Das wichtigste Element einer guten Sitcom ist natürlich der Humor und dieser ist natürlich immer Geschmacksache. Uns konnte dieser aber nicht überzeugen. Nur wenig Gags verursachen mehr als ein Schmunzeln und können nicht überzeugen. Selbst für Sitcomverhältnisse sind die Witze er flach und banal und es wird viel Potential verschenkt. Es fehlt die humoristische Würze eines Charles Lewinsky, der erfolgreich unter Beweis gestellt hat, dass er gelungene Schweizer Sitcoms erschaffen kann. Sollten die restlichen Folgen nicht deutlich an Fahrt aufnehmen, wäre eine Absetzung der Serie nach Staffel 1 kein Verlust.
Ausstrahlung:
Die Ausstrahlung der Sitcom startet am 31. Oktober 2025 mit einer Doppelfolge auf SRF 1. Anschließend werden die restlichen der lediglich sechs produzierten Folgen im Wochenrhythmus freitags ausgestrahlt. Auf Play SRF wird ab diesem Zeitpunkt direkt die komplette Staffel abrufbar sein.


Guten Tag,unter einer Sitcom verstehe ich etwas anderes! Lustig,spritzig und nicht so langweilig. Susanne Kunz passt überhaupt nicht in ihre Rolle geschweige Birgit Steinegger.Total entäuscht,aber jedem das Seine! Gruss H.Bär
Sitcom? Dass ich nicht lache. Frau eingeschlafen.