Der Rheinfall in der Schweiz ist eines der wohl bekanntesten Ausflugsziele des Landes. Die meisten, die den größten Wasserfall Kontinentaleuropas besuchen, fahren vermutlich mit dem Auto direkt zum großen Parkplatz oberhalb des Flusses, doch es gibt noch andere Möglichkeiten. Eine davon möchte ich heute vorstellen. Wer etwas Zeit hat, kann eine kleine Wanderung von Schaffhausen über den Cholfirst hin zum Rheinfall unternehmen.
Überblick
Startpunkt: Bahnhof Schaffhausen
Endpunkt: Bahnhof Neuhausen Rheinfall
Strecke: ca. 10 km
Höhenmeter: ca. 300m bergauf und bergab
Anreise
Was viele nicht wissen: Schaffhausen und auch der Rheinfall sind mit dem Baden-Württemberg-Ticket erreichbar. Von Singen aus gibt es z.B. regelmäßige S-Bahn-Verbindungen von Thurbo, einem Ostschweizer Regionalbahnanbieter, an dem auch der Kanton Thurgau beteiligt ist. Die Fahrt dauert 18 Minuten und man kann dann ohne Umschweife mit einem Spaziergang durch die Schaffhauser Innenstadt beginnen.
Schaffhausen
Der Bahnhof liegt im Nordwesten direkt an der Altstadt. Die großzügige Fußgängerzone ist auf jeden Fall einen Rundgang wert. Etliche Renaissancebauten säumen die Wege und es wird schnell klar, warum Schaffhausen den Beinamen Erkerstadt trägt.

Wer noch einen Blick über die Altstadt und den Rhein werfen möchte, dem empfehle ich den Aufstieg zur im 16. Jahrhundert erbauten Rundfestung Munot. Über den Munothaldenweg gelangt man zum Hintereingang des Munots. Die Festung dient heute vor allem als Veranstaltungsstätte, bietet aber auch einen guten Blick über die Umgebung: Altstadt, Rhein und auf der Zürcher Rheinseite die steilen Höhen des Cholfirsts. Es ist der nördlichste Höhenzug im Kanton Zürich, mit seinem markanten Antennenturm, der unser nächstes Ziel werden wird.

Doch zunächst geht es über die Reitschnecke, eine Art „Wendeltreppe“ für Pferde, und den Munotstieg wieder hinunter zum Rhein.
Aufstieg zum Cholfirstturm
Der Munotstieg führt praktisch direkt zur Feuerthaler Brücke, über die wir in den Kanton Zürich überwechseln. Wir folgen der Hauptstraße wenige hundert Meter. Kurz bevor wir das Einkaufszentrum „Rhymarkt“ erreichen, biegen wir nach rechts in die Bahnhofstrasse ab und beginnen den Aufstieg durch das Wohngebiet. Wir folgen der Wanderwegbeschilderung (Antennenturm) und gehen über Halden- und Kirchweg zum Stadtweg, der an einem Sportplatz vorbei in den Wald führt. Während meines Besuches im Juni 2025 war die Beschilderung leider nicht so gut. Da die Wege des Waldes gerade saniert wurden, kann sich das aber auch wieder ändern. Beim Einstieg in den Wald befindet man sich allerdings direkt unterhalb des Turms, weshalb man sich ganz gut im Zickzack nach oben bewegen kann. Der Turm dient dabei leider nicht mehr als Wegweiser, da man ihn von den Waldwegen aus praktisch nicht zu Gesicht bekommt.
So nähert man sich auf gut ausgebauten Forstwegen mehr und mehr der Bergkuppe. Wer gut zu Fuß ist, kann das letzte Stück relativ direkt über einen kleinen Steig zurücklegen. Wer es gemütlicher haben möchte, kann aber auch auf den breiteren Fahrwegen in einem größeren Bogen zum Turm gelangen.
Am Cholfirstturm angekommen, beginnt der Aufstieg. Über eine Wendeltreppe im Innern des Stahlfachwerkturms gelangt man zur Aussichtsplattform in 42 Meter Höhe. Von dort aus hat man einen guten Blick auf Schaffhausen, den Munot sowie die deutsche Exklave Büsingen. Gen Süden kann man, gute Sicht vorausgesetzt, das Alpenpanorama bestaunen.

Abstieg nach Flurlingen
Beim Abstieg hat man wieder die gleiche Wahl wie beim Aufstieg. Es gibt einen schmalen und sehr steilen Waldweg, der direkt zur Talstrasse nach Flurlingen führt. Alternativ kann man natürlich auch hier wieder bequemer über die Eggässlistrasse den längeren Weg wählen. Ich hatte mich für ersteren Weg entschieden. Nach einem kurzen Stück gen Schaffhausen, biegt links ein klassischer Waldfahrweg ab, ehe es nach rechts auf direktem Weg zurück ins Tal geht.
Am Wanderparkplatz unterqueren wir die Straße und folgen der Lahmerstrasse bis zur Ortsmitte von Flurlingen. Am „Gasthof Frohsinn“, einem schön hergerichteten Fachwerkhaus, biegen wir nach links in die Neuhauserstrasse und folgen dieser bis zum Rhein. Ab hier folgen wir wieder der Ausschilderung in Richtung Schloss Laufen.
Schloss Laufen und Rheinfall
Der Weg zum Schloss Laufen ist im Gegensatz zum Cholfirst wieder recht eben. Direkt am Rhein entlang geht es auf einem breiten Fahrradweg zum Schloss Laufen. Über die Eisenbahnbrücke unterhalb des Schlosses gelangen wir wieder auf die Schaffhauser Seite und genießen den ersten Blick von oben auf den Rheinfall. Auf der anderen Flussseite halten wir uns links und steigen bei der Mühle die Treppen am Rheinfall hinunter. Von der Promenade aus hat man einen wunderbaren Blick auf den Wasserfall. Nach der Flussbiegung erreichen wir schnell die Anlegestelle beim Schlössli Wörth. Von dort lohnt sich auf jeden Fall eine Überfahrt zum Felsen im Rheinfall, der ein intensives Naturerlebnis bietet. Die Überfahrt ist zwar nicht günstig (etwas über 20 Franken), lohnt sich aber auf jeden Fall. Über mehrere Treppen gelangt man zur Spitze des Felsens und findet sich mitten in den tosenden Naturgewalten wieder.

Smilestones und Rückfahrt
Nach dem Besuch des Wasserfalles geht es wieder zurück zur Mühle und von dort direkt zum Bahnhof Neuhausen Rheinfall (es führen auch zwei Aufzüge direkt zum Bahnhof). Wer sich für Züge oder Modellbau interessiert, der kann sich direkt neben dem Bahnhof noch die Miniaturwelt Smilestones anschauen. In zwei großen Dioramen sind hier die Ostschweiz, das Berner Oberland und natürlich der Rheinfall aufgebaut.
Vom Bahnhof aus geht es dann mit der S-Bahn zurück zum Bahnhof Schaffhausen und von dort aus dann zurück nach Deutschland.



