Kaum ein Schweizer Mundartsong ist so populär wie „W. Nuss vo Bümplitz“ von der Berner Band Patent Ochsner. Praktisch jeder in der Deutschschweiz kann den 1997 entstandenen Hit mitsingen. Geschrieben hat ihn der Frontmann der Band, Büne Huber. Der Song ist ein fester Bestandteil der Schweizer Popkultur geworden und hat sich zu einem regelrechten Mythos entwickelt.
Was steckt hinter dem Namen? Welche Bedeutung hat die W. Nuss?
Der Titel hat etwas geheimnisvolles: „W. Nuss“ ist offensichtlich eine Abkürzung, die offiziell aber für niemand Konkretes steht. Songschreiber Huber hat nie eindeutig verraten, wer oder was damit gemeint sein soll, aber selbstverständich gibt es zahlreiche Theorien und Interpretationen.
Fest steht: Bümplitz ist ein Stadtteil von Bern. Die Schreibweise – W. Nuss – liest sich wie ein abgekürzter Name. Könnte es sich also um eine „Waltraud Nuss“ handeln oder einen beliebigen anderen mit dem Buchstaben W beginnenden Vornamen? Möglich, aber liest man den Titel nicht sondern lauscht der Musik, dann wird aus der W. Nuss plötzlich die Venus. Das passt zu Fronmann Büne Huber, der nicht nur Lieder schreibt und singt, sondern auch malt, also auch diesbezüglich Augen und Ohren anspricht.
Bühne Huber bewahrt Geheimnis
Die Antwort auf die Frage nach der W. Nuss bzw. Venus ist auch nach fast 30 Jahren nicht gelüftet. Der Song wurde 1997 veröffentlicht. Huber hat nicht vor das Geheimnis zu lüften. Aber vielleicht ist das auch gut so, denn Musik ist Kunst und Kunst ist einfach oftmals Interpretationssache.
Zwei wesentliche Theorien erscheinen mir persönlich am Wahrscheinlichsten:
1. Die W. Nuss ist ein Walnussbaum
Für diese Theorie spricht eindeutig die Schreibweise. Auch im Text kann man Stellen finden, die diese These untermauern:
Sie het meh als hundert ching
Und jede früehlig git’s es nöis(Sie hat mehr als hundert Kinder
Und jeden Frühling gibt es ein neues)
Mehr als hundert Kinder und jeden Frühling ein neues – das klingt mehr nach einer Pflanze als nach einem Menschen. Allerdings klingen andere Textpassagen hingegen deutlich menschlicher.
2. Die W. Nuss ist eine Frau (Venus)
Für eine menschliche Gestalt sprechen andere Textzeilen, wie bspw. die folgenden:
D’w. nuss vo bümpliz geit dür d’strass
Liecht und flüchtig, wie nes gas(…)
Het d’chiuchefänschterouge off
Und macht se zue bi jedem kuss(„Die W. Nuss aus Bümpliz geht durch die Straße
Leicht und flüchtig wie ein Gas
(…)
Hat die Kirchenaugenfenster offen
Und macht sie zu bei jedem Kuss“)
Aber selbst wenn es sich um eine Frau handeln sollte, kann man sich weiter um die passende Interpretation streiten: Es gibt Stimmen, die die Venus für eine Prostituierte halten.
3. Die W. Nuss ist eine Kirche
Auch diese Theorie besteht. Dafür sprechen die oben zitierten „Kirchenaugenfenster“. Die 100 Kinder? Schwer zu sagen…
Was fest steht:
Die W. Nuss bzw. Venus ist „schön wie ein Feuer in der Nacht“ und wenn der Erzähler bzw. Sänger in Ich-Form sie in Bümpliz sieht, dann „schlägt sein Herz im Hals“. Sie muss also in jedem Fall von außerordentlicher Schönheit sein.
Umso länger man sich Gedanken macht, umso mehr Ideen kommen einem in den Sinn. Was ist eure Meinung? Schreibt sie gerne in die Kommentare.
Ich persönlich würde am ehesten zu einem Walnussbaum tendieren, wenngleich mehr Textstellen auf einen Menschen hindeuten. So lange das Geheimnis nicht gelüftet ist (also wahrscheinlich immer) kann die W. Nuss alles sein, was man darin sehen möchte. Und das finde ich um ehrlich zu sein sogar am Besten! Wahrscheinlich hat dieser Mythos auch zum jahrzehntelangen Erfolg des Songs beigetragen.
Woher stammt der Name „Patent Ochsner“?
Diese Frage hingegen, die ist geklärt und war nie ein Geheimnis. Benannt sind sie nach der Deckelprägung früher in der Schweiz weit verbreiteter Mülleimer. Die von der Firma J. Ochsner AG hergestellten „Ochsnereimer“ waren lange patentgeschützt und waren daher mit der Prägung „Patent Ochsner“ beschriftet. Danach hat sich die Band benannt. Das Patent ist mittlerweile ausgelaufen und der geprägte Text lautet mittlerweile „System Ochsner“. Durch die weite Verbreitung an Müllbeuteln hat das System Ochsner allerdings an Bedeutung nachgelassen.


Die Venus („W. Nuss“) ist eine rote Katze, die im Frühling auf sanften Pfoten („leicht wie ein Gas“) durch Bümpliz streicht und wie für Katzen typisch jeden Frühling Junge hat. Sie hat geschlitze Pupillen („Kirchenfensteraugen“), und wenn Katzen mit denen blinzeln, sagt man. dass sie einen zum Gruss küssen. Es war mir schon immer klar, dass es sich um eine Katze handelt.
Coole Interpretation, Adriano. Wäre mir nicht in den Sinn gekommen, klingt aber recht plausibel. Man kann einer Katze ja irgendeinen Namen geben. Da sind den Fantasien keine Grenzen gesetzt,,,
ich denke, w.nuss war seine kindergärtnerin und er verehrt sie noch heute ☺️!