Im Mai stellte ich zum ersten Mal auf Schweizwochen.de eine Aktie vor, nämlich die vom weltberühtem Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli. Neben den Süßwaren ist die Firma – zumindest in Finanzkreisen – für ihren mit Schokolade gefüllten Aktionärskoffer berümt, den Aktionäre jährlich erhalten.
Im heutigen Beitrag dreht sich aber alles um die Aktie der Jungfraubahn Holding AG (WKN: A0CACJ / ISIN: CH0017875789) mit Sitz in Interlaken. In der Schweiz ist es keine Seltenheit, dass Aktiengesellschaften, neben normalen Bardividenden, auch Sachdividenden ausschütten. Hier reiht sich die Jungfraubahn AG in die Reihe ein.
Eine wichtige Information vorab: Schweizwochen.de ist kein Finanzblog! Alle Angaben in diesem Artikel dienen rein der Information und sind keine Anlageempfehlung. Der Autor dieses Artikels ist nicht in die beschriebene Aktie investiert und haftet nicht für etwaige Verluste, die durch den Handel mit der Aktie entstehen und wird auch an Gewinnen nicht beteiligt.
Das Aktionärsangebot der Jungfraubahn
Der Jungfraubahn ist es ein Anliegen, dass ihre Aktionäre sich mit „ihrem“ Unternehmen verbinden können und alle Angebote des Unternehmens kennenlernen. Neben der namensgebenden Bahn auf das Jungfraujoch betreibt das Unternehmen nämlich noch zahlreiche weitere Bahnen, Restaurants, Shops und Parkhäuser. Um das zu erreichen, gibt es verschiedene Angebote, die die Firma ihren Anteilseignern bietet.
Zwei Mal im Jahr erhalten die Aktionäre im Rahmen des Geschäfts- und Halbjahresberichts ein persönliches Schreiben, in dem sie über den Geschäftsgang informiert werden. Im Mai findet in Interlaken die jährliche Generalversammlung statt. Aktionäre erhielten dort bislang immer eine Tasche mit Verpflegung, ein Souvenir aus dem Shop, einen Gutschein und Vesper. Zudem kann von den Aktionären der Jungfraubahnkalender zum vergünstigten Preis gekauft werden.
Die eigentliche Highlight ist allerdings das Aktionärsangebot, das die Anteilseigner jährlich Ende Februar erhalten. Dieses besteht in der Regel aus einem Gutschein für eine vergünstigte oder gar kostenlose Fahrt mit einer der Bahnen des Unternehmens.
Jungfraubahn Aktionärsangebot 2025
In diesem Jahr dürfen sich die berechtigten Aktionäre (dazu später mehr) über einen Gutschein für zwei vergünstigte Tickets von Interlaken Ost aufs Jungfraujoch und zurück freuen. Für den wirklich günstigen Preis von 100 Franken (50 Franken pro Ticket) ist die Hin- und Rückfahrt an einem beliebigen Tag möglich, wobei beide Gutscheine am selben Tag eingelöst werden müssen. Der Gutschein hat eine Gültigkeit von einem Jahr.
Normalerweise würde eine erwachsene Person ohne Ermäßigung in der Hauptsaison rund 250 Franken bezahlen, also mehr als das fünffache. Bei einem Aktienkurs von derzeit (16.07.2025) 207 Franken ist das ein sehr faires Angebot.
Voraussetzungen zum Erhalt der Aktionärsangebote
Leider hat das Angebot auch einen Haken, denn es gibt Voraussetzungen, die ihr erfüllen müsst, um das Aktionärsangebot nutzen zu können. Die erste Hürde ist klar: Ihr müsst Aktionär werden. Dazu reicht bereits eine einzige Aktie. Die Aktie wird an der Schweizer Börse in Zürich gehandelt. Ob ihr, falls ihr in Deutschland lebt, die Aktie handeln könnt, hängt von eurem Broker ab.
Bei meiner Recherche suchte ich nach der Aktie bei den beiden Neobrokern Trade Republic und bei Finanzen.net zero. Bei ersterem ist die Aktie der Jungfraubahn gar nicht handelbar. Finanzen.net zero bietet die Aktie aber tatsächlich zum Handel an. Aber leider gibt es auch hier eine schlechte Nachricht: In den Genuss des Aktionärsangebots kommt ihr bei diesem Broker dennoch nicht.
Denn neben dem Besitz mindestens einer Aktie ist es auch nötig, dass ihr euch ins Aktienregister eintragen lasst. Das geschieht – auch bei Kunden von Schweizer Brokern – nicht automatisch, sondern muss vom Kunden explizit beauftragt werden. Ansonsten bleibt ihr der Jungfraubahn gegenüber anonym und könnt auch nicht zur Mitgliederversammlung eingeladen werden oder die Aktionärsangebote nutzen.
Bei ausländischen Banken und Brokern ist für die Absetzung der elektronischen Eintragsungsbuchung eine Schweizer Korrespondenzbank nötig. Finanzen.net zero teilte mir auf Anfrage mit, dass eine Eintragung ins Aktienregister bei ihnen nicht möglich sei.
Solltet ihr einen deutschen Broker kennen, bei dem die Aktie der Jungfraubahn handelbar und ein Eintrag ins Aktienregister möglich ist, dann schreibt es gerne in die Kommentare. Ich ergänze dann den Artikel.
Noch mehr Vorteile mit dem Aktionärsclub
Seit 2009 gibt es die Möglichkeit Teil des Aktionärsclubs der Jungfraubahn zu werden und damit noch mehr Vorteile zu genießen. Eine separate Anmeldung oder gar Bewerbung ist nicht nötig, um Teil dieses Clubs zu werden. Mitglied wird man automatisch, sofern man mindestens 250 Jungfraubahn-Aktien besitzt und zum Stichtag (1. Oktober) im Aktienregister eingetragen ist. Zumindest finanziell ist die Hürde hierfür daher ziemlich hoch, denn aktuell müsste man mehr als 50.000 Schweizer Franken investieren, um Teil dieses Clubs zu werden.
Als Mitglied des Aktionärsclubs erhält man Ende Oktober erneut einen Gutschein für ein weiteres Aktionärsangebot (meist eine Rabattaktion). Zudem erhalten Clubmitglieder 50% Rabatt auf Einzelfahrscheine im gesamten Streckennetz der Jungfraubahnen (nicht mit anderen Rabatten kombinierbar), sowie 10% Rabatt auf ein Sommerabonnements der Jungfraubahnen. Den Jungfraubahnen-Kalender erhalten Clubmitglieder gratis. Einheimische Aktionäre des Verwaltungskreises Interlaken-Oberhasli erhalten außerdem 10% Rabatt auf den Winter-Saisonsportpass der Jungfrau Ski Region.
Prominenter Aktionär: Rolf Dobelli von Jungfraubahn Aktie überzeugt
In einem Interview mit dem Handelsblatt (hinter Paywall) lobte der erfolgreiche Schweizer Bestsellerautor Rolf Dobelli die Aktie der Jungfraubahn. Er schätzt das Unternehmen als praktisch konkurrenzlos ein, mit einer einzigartigen Strecke zum Jungfraujoch, dem höchstgelegenen Bahnhof Europas. Für ihn ist die Jungfraubahn ein Paradebeispiel für ein solides Geschäftsmodell mit einem „Burggraben“ – also hohen Eintrittsbarrieren für potenzielle Mitbewerber. Dobelli sieht in der Bahn ein zukunftssicheres Investment: Klimawandel und Gletscherschwund könnten das Jungfraujoch in Zukunft sogar noch attraktiver machen. Hinzu kommen eine stabile Dividende, ein günstiges Kurs-Gewinn-Verhältnis und die Möglichkeit, das Unternehmen als Schweizer Anleger gut zu durchleuchten – eine Investition ganz nach Dobellis rationalem, langfristig ausgerichtetem Stil.
Fazit:
Ich liebe das Berner Oberland und die Bahnen der Jungfraubahnen. Die Aktionärsangebote fände ich durchaus interessant und sehe darin eine vorbildhafte Wertschätzung der Aktionäre. Für Aktionäre wird es dadurch keine reine Finanzinvestition, sondern es findet eine tatsächlich Verbindung mit dem Unternehmen statt. Hätte ich bei meinem Broker die Möglichkeit mich ins Aktienregister eintragen zu lassen, dann wäre ich wahrscheinlich in die Aktie investiert, zumal ich die positiven Argumente für das zukunftssichere Geschäftsmodell teile.

